Legionäre

Lorica segmentata Typ Corbridge A mit Helm Gallic G Typ Weisenau
Lorica segmentata Typ Corbridge A mit Helm Typ Weisenau
Foto: R. Schulze, 2011

Helm

Der Standardhelm der römischen Legionäre im Drusus-Varus-Zeithorizont dürfte der Typ 'Haltern/Hagenau' in seinen verschiedenen Variationen gewesen sein. Zumindest ist das der Helmtyp, den man am häufigsten in den zugehörigen Bodenschichten findet. Diese Helme waren üblicherweise aus Messing/Bronze gefertigt und aufwändig verzinnt. Funde u.a. in Oberaden deuten jedoch darauf hin, dass auch der Helmtyp 'Weisenau' bereits in einer recht weit entwickelten Form zum Einsatz kam, mit all den typischen Merkmalen, die man ursprünglich erst bei später datierten Weisenau-Helmen angenommen hatte. Neben diesen Helmen waren sicherlich auch noch ältere Montefortino-Helme verbreitet, die sich noch bis weit in das 1. Jhdt. n. Chr. nachweisen lassen.

Rüstung

Die Standardrüstung der römischen Legionäre am Ende der Republik war die Lorica hamata, die Kettenrüstung. Zu Beginn des 1. Jh. n. Chr. fand zunehmend die Lorica segmentata Verwendung, eine aus Stahlbändern bestehende, recht bewegliche Panzerung, die mit Lederbändern zusammengeschnürt wurde. Es gab verschiedene Arten dieser Rüstung, wobei der Typ Kalkriese vermutlich die früheste Form darstellte und wohl bereits vor Christus entwickelt worden war. Später kamen die Typen Corbridge A und B, sowie der Typ Newstead hinzu. Zwischen den einzelnen Formen gab es kontinuierliche Verbesserungen, die in letzterer ihren Abschluss fanden.
Die Kettenrüstung blieb zu allen Zeiten weit verbreitet in der römischen Armee und wurde insbesondere von den Signifern (Standartenträger), Cornicen (Hornbläsern) und den Centuriones getragen.
Auch der Schuppenpanzer (Lorica squamata) und Brustmuskelpanzer (Lorica musculata) aus Leder, Bronze oder Eisen waren verbreitet, wobei letztere vor allem bei den höheren Offizieren (Legaten, Präfekte und Tribune) bis hin zum Kaiser sowie bei den Prätorianern in Benutzung war.
Pugio mit Scheide
Replik eines Pugios aus dem 1. Jh. n. Chr. mit Metallscheide
Foto: R. Schulze, 2012

Untergewandung

Das Standardgewand der Legionäre war die Soldatentunika. Diese war üblicherweise ärmellos, bildete aufgrund ihrer Breite (von Ellenbogen zu Ellenbogen) aber Scheinärmel aus. Sie bestand aus dickem Wollstoff (Walkloden, Fischgrat, Diamantköper). Im Gegensatz zu dem in den Medien vermittelten Bild war die Farbe rot eher selten bei den Tuniken der Legionen anzutreffen, da sie sehr teuer war und bestenfalls Offiziere sich diese leisten konnten. Viel wahrscheinlicher sind naturnahe oder einfach herzustellende Farben (braun, naturweiß, blau, gelb, grün). Unter der Soldatentunika trug der Legionär eine Untertunika aus Leinen, die durchaus farbig sein konnte, vermutlich aber eher naturweiß war.

Schwert

Das Standardschwert der römischen Legionäre war von Beginn des römischen Reiches bis etwa zum Ende des 2. Jh. n. Chr. das spanische Kurzschwert Gladius hispaniensis. Für die Zeit von Drusus bis Varus war der Typ 'Mainz' typisch, wobei es davon eine große Variationsvielfalt gab. Charakteristisch für diese Schwerter war die Taillierung der Klinge, die dem später aufkommenden Typ 'Pompeji' fehlte.
Die Legionäre trugen ihr Gladius auf der rechten Seite, die Centuriones auf der linken. Der Grund lag einfach in der Dichte der römischen Schildformation, die ein Ziehen des Schwertes von der linken Seite aus unmöglich machte. Deshalb wurde es von rechts mit der rechten Hand gezogen. Die Centuriones standen üblicherweise außerhalb der Formation (davor, dahinter oder seitlich) und trugen zumeist auch keinen oder nur einen kleinen Schild, weswegen sie das Schwert links tragen konnten.

Dolch

Der Pugio war der Standarddolch im Römischen Reich und wurde sowohl von den Soldaten als auch von Zivilisten getragen. Er hat sich im Verlaufe der Zeit in seiner Form kaum geändert und gehörte zu den wenigen Ausrüstungsgegenständen (neben den Caligae und den Tuniken/Untertuniken), die den Soldaten nicht gestellt wurde, sondern aus eigener Tasche bezahlt werden musste.
Der Pugio war mehr als nur eine Zweitwaffe, er war ein Statussymbol. Deshalb ließen viele Soldaten ihre Pugiones besonders reich verzieren (insbesondere die Pugioscheide) um ihre Kameraden zu übertrumpfen.
Legionärsschild Scutum
Das Scutum, der Rechteckschild der römischen Legionäre
Foto: R. Schulze, 2014

Lanze

Die Wurflanze des römischen Legionärs seit der Zeit der Republik war das Pilum. Diese Waffe wurde nicht als Stoßlanze sondern als Wurfwaffe genutzt um den Sturmangriff eines verfeindeten Heeres auf die römischen Formationen zu brechen und dem Gegner seiner Schilde zu berauben, die nach einem Treffer mit dem Pilum nicht mehr benutzbar waren, da sich dessen Spitze nach dem Aufschlag verbog und nicht mehr aus dem Schild herausgezogen werden konnte. Vereinzelt setzten Legionäre auch die bei den Hilfstruppen üblichen leichten Wurf- oder Stoßspeere ein (Lancea bzw. Iaculum). Diese wurden vor allem von Plänklern und den Legionsreitern verwendet.

Schild

In den Jahren vor der Varusschlacht war das Scutum, der Schild der Legionäre, mitten in einer Transformationsphase, weg von den hohen gewölbten Ovalschilden der Republik hin zu den kürzeren Rechteckschilden, die das moderne Bild eines römischen Legionärs prägen. Aus dieser Zeit sind anhand von Schildbuckel- und Bronzerand-Funden verschiedene Übergangsformen und Ausführungen nachweisbar. Neben dem Scutum kam auch das ovale bzw. runde Parma zum Einsatz, welches normalerweise von den Hilfstruppen verwendet wurde. Ebenso sind schmale, sechseckige Schilde anhand von Reliefs belegbar. Beide fanden Verwendung bei Legionären, die zu Plänklern oder Legionsreitern ausgebildet worden waren (jede Legion besaß eine gewisse Anzahl solcher Soldaten für den Fall, dass Auxiliares nicht verfügbar waren, die sonst diese Aufgabe übernahmen), aber auch Centuriones, Optiones und Signifer waren oft mit Oval- oder Rundschilden ausgerüstet. Die Legionärschilde waren üblicherweise farbig verziert und trugen der Einheit des Trägers entsprechende Markierungen und Muster.
Soldatenstiefel Caligae
Caligae, die Soldatenstiefel mit genagelter Sohle, Replik von Hans Binsfeld
Foto: R. Schulze, 2014

Umhang

Um sich vor kühler Witterung zu schützen, trugen die römischen Legionäre zumeist einen Umhang, der aus einer rechteckigen Wolldecke bestand (Sagum), welche mit einer Fibel aus Bronze, Messing, Eisen oder auch Holz über der rechten Schulter zusammengeknüpft wurde. Das untere Ende dieses Umhangs war oft mit Fransen verziert. Die Farbe dürfte unterschiedlich gewesen sein, am häufigsten war sicherlich die Farbe Rot, aber auch Braun, Grün oder Blau (z.B. bei den Legionären der Flotte) wäre denkbar. Bereits zu Beginn des 1. Jh. n. Chr. kam zunehmend die Paenula in Gebrauch, ein ponchoartiger Mantel mit Kapuze, der vor der Brust geschlossen wurde. Sie verdrängte allmählich das Sagum. Dennoch waren beide Umhangtypen längere Zeit parallel in Gebrauch.

Schuhwerk

Die von den Legionären verwendeten Caligae (Soldatenstiefel in Form von Sandalen mit genagelter Sohle) wurden ebenso auch von Zivilisten getragen (allerdings ohne Sohlennägel). Sie waren einfach vom Aufbau, aber sehr robust. Bei kaltem oder nassem Wetter wurden sie mit Wolle oder Fell gefüttert. Gegen Ende des 1. Jh. n. Chr. setzte sich zunehmend auch geschlossenes oder halbgeschlossenes Schuhwerk wie die Calcei durch.

Gürtel

Schon vor dem Beginn des 1. Jh. n. Chr. verbreitete sich der Cingulum als Legionärsgürtel. Er schützte mit seinen herabhängenden, mit Eisen oder Messing beschlagenen Lederriemen den empfindlichen Unterleib. Die Centuriones trugen meist einen breiteren Gürtel ohne derartige Schutzriemen.